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Aggressive Parodontitis: Welche Behandlung ist möglich?

Letzte Änderung: 28. Juni 2023

Aggressive Parodontitis ist eine sehr selten auftretende Parodontitis-Form, die rasch fortschreitet und bereits im frühen Alter zu einem Zahnverlust führen kann. Bei einer frühzeitigen Diagnose und zeitnahen Behandlung durch erfahrene Parodontologen bestehen jedoch gute Chancen, die Erkrankung aufzuhalten und die Zähne zu retten.



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Frau leidet unter aggressiver Parodontitis
Frau leidet unter aggressiver Parodontitis

Was ist eine aggressive Parodontitis?



Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats, die zur Lockerung der Zähne führt und zu den Hauptursachen für Zahnverlust bei Erwachsenen zählt. Während die chronische Parodontitis langsam und schubweise voranschreitet, ist die aggressive Parodontitis, kurz AgP, durch einen rasanten Verlauf und schnellen Zahnverlust – oft schon innerhalb weniger Monate - gekennzeichnet.

Im Gegensatz zur chronischen Form, die im Allgemeinen ab einem Alter von ca. 40 Jahren beginnt, tritt die aggressive Parodontitis meist schon bei jungen Erwachsenen unter 30 Jahren auf. Von der AgP-Sonderform, der juvenilen Parodontitis, sind bereits Jugendliche in der Pubertät betroffen. Insgesamt tritt die aggressive Parodontitis häufiger bei Frauen als bei Männern auf.

Welche Symptome können bei einer aggressiven Parodontitis auftreten?



Typisch für die aggressive Parodontitis ist ein schubweiser Verlauf, der sich durch einer Vielzahl teils ausgeprägter Beschwerden bemerkbar macht:

    • Zahnfleischrötungen
    • starke Neigung zu Zahnfleischbluten, oftmals schon bei geringem Druck
    • Mundgeruch
    • Eiterbildung
    • tiefe Zahnfleischtaschen mit Zahnsteinbildung
    • Zahnfleischrückgang mit scheinbarer Zahnverlängerung
    • Knochenabbau und Lockerung der Zähne
    • allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und evtl. Fieber


Die aggressive Parodontitis kann lokalisiert an einzelnen Zähnen oder generalisiert an mindestens 30 Prozent der Zähne auftreten. Die lokalisierte Form zeigt sich vor allem bei juveniler Parodontitis, betroffen sind davon die mittleren Schneidezähne und die ersten großen Backenzähne.

Diese Ursachen liegen einer aggressiven Parodontitis zugrunde



Ebenso wie bei der chronischen Parodontitis sind auch für die aggressive Form Bakterien in den Zahnbelägen, sogenannte Markerkeime, verantwortlich. Auch die Menge an Plaque unterscheidet sich nicht.

Da eine familiäre Häufung zu beobachten ist, geht die zahnmedizinische Forschung davon aus, dass die genetische Veranlagung eine wesentliche Rolle für die Entstehung der aggressiven Verlaufsform spielt. Zudem gelten Rauchen und Stress sowie bestimmte Bakterienzusammensetzungen als Risikofaktoren.

Aggressive Parodontitis: Wie entsteht die Diagnose?



Bei Verdacht auf eine aggressive Parodontitis erhebt der Zahnarzt zunächst in einem ausführlichen Gespräch die Krankengeschichte des Patienten (Anamnese). Erste Hinweise auf die aggressive Form der Zahnbetterkrankung können eventuell der Zeitpunkt des ersten Auftretens von Symptomen und eine familiäre Häufung geben.

Für eine korrekte Diagnosestellung werden verschiedene schmerzfreie Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören die Sichtung des Zahnfleischs auf Rötungen und Schwellungen und die Erhebung des Zahnstatus. Mithilfe eines parodontalen Screenings lässt sich die Tiefe der Zahnfleischtaschen messen und feststellen, ob es bereits zu Entzündungen gekommen ist.

Röntgenaufnahmen mittels eines strahlungsarmen Verfahrens geben Aufschluss über den Abbau der Knochensubstanz, mit einem Keimtest lässt sich ermitteln, welche Bakterienarten der Parodontitis zugrunde liegen.

Nach der Befundaufnahme erfolgt ein ausführliches Therapiegespräch, in dem der Parodontologe den Patienten über die Erkrankung im Allgemeinen und potenzielle Risikofaktoren aufklärt und die notwendigen Therapieschritte erörtert.

Sie leiden unter Parodontitis?



Bei Verdacht auf aggressive Parodontitis wird Ihr Zahnarzt eine ausführliche Untersuchung durchführen.
Bei Verdacht auf aggressive Parodontitis wird Ihr Zahnarzt eine ausführliche Untersuchung durchführen.

Eine frühe Diagnose kann Schlimmeres verhindern



Da eine aggressive Parodontitis sehr schnell voranschreitet und schlimmstenfalls innerhalb weniger Monate zu einem Zahnverlust führen kann, ist es von entscheidender Bedeutung, schon bei ersten Anzeichen sofort aktiv zu werden und eine Zahnarzt-Praxis aufzusuchen.

Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und mit der Behandlung begonnen, bestehen gute Aussichten, die betroffenen Zähne zu erhalten. Nach einer erfolgreichen Parodontitis-Behandlung kann mithilfe der sogenannten Unterstützenden Parodontitistherapie (UPT) eine dauerhafte Stabilisierung erreicht werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer aggressiven Parodontitis



Ebenso wie bei einer chronischen Parodontitis erfolgt auch die Behandlung der aggressiven Parodontitis systematisch nach einem festgelegten Schema, das auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Wie viele Behandlungsschritte erforderlich sind, hängt davon ab, wie weit die Erkrankung des Zahnhalteapparats bereits fortgeschritten ist.

Antiinfektiöse Parodontitistherapie: Die nicht-chirurgische Behandlung



Die antiinfektiöse Therapie stellt grundsätzlich den ersten Schritt der Behandlung der aggressiven Parodontitis dar. Ein Bestandteil ist die individuelle Unterweisung des Patienten in geeignete Maßnahmen für die häusliche Mundhygiene.

Zahnärzte bezeichnen diese Phase auch als Initialtherapie oder kausale Therapie, da die Behandlung darauf abzielt, die von Bakterien verursachte Zahnfleischentzündung zu stoppen. Unter örtlicher Betäubung werden sämtliche weichen und harten Zahnbeläge sowie vorhandener Zahnstein in den Zahnfleischtaschen entfernt. Zum Einsatz können dabei neben klassischen Handinstrumenten wie z.B. Küretten und Scaler auch Laser und Ultraschallgeräte kommen. Die abschließende Desinfektion mit einer medizinischen Mundspüllösung soll vermeiden, dass sich erneut Bakterien anhaften können.

Bei einer aggressiven Parodontitis kann zudem eine Unterstützung durch die Gabe von Antibiotika angeraten sein. Sie werden als Salbe oder Gel direkt in die betroffenen Zahnfleischtaschen eingebracht, alternativ ist auch die Einnahme von Tabletten möglich.

Dauer der antiinfektiösen Parodontitistherapie



Wie lange die antiinfektiöse Behandlung bei einer aggressiven Parodontitis dauert, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern hängt vom Einzelfall ab. Im Allgemeinen ist von drei bis vier Sitzungen auszugehen.

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Wie funktioniert die Nachsorge bei aggressiver Parodontitis?



Einige Wochen nach der Reinigung der Zahnfleischtaschen erhebt der Parodontologie einen erneuten Befund, um die Heilung des entzündeten Gewebes zu überprüfen. In den meisten Fällen ist die antiinfektiöse Therapie und die künftige regelmäßige Entfernung der bakteriellen Beläge ausreichend, um das Entzündungsgeschehen zu stoppen.

Für einen langfristigen Behandlungserfolg ist jedoch von entscheidender Bedeutung, dass der Patient die Empfehlungen zur häuslichen Mundhygiene konsequent umsetzt. Im Rahmen der Erhaltungstherapie (Unterstützende Parodontitistherapie) sind regelmäßig Nachsorgetermine wahrzunehmen. Zudem empfiehlt es sich, mehrmals pro Jahr eine Professionelle Zahnreinigung (PZR) vornehmen zu lassen.

Wenn die antiinfektiöse Parodontitistherapie nicht ausreicht: Welche Möglichkeiten gibt es?



Ziel der Parodontitistherapie ist es, die Entzündungsherde vollständig zu entfernen. War die Initialtherapie nicht erfolgreich – beispielsweise bei mangelnder Compliance des Patienten hinsichtlich der erforderlichen Mundhygiene oder bei sehr tiefen Zahnfleischtaschen – sind in der sogenannten korrektiven Phase weitere Therapieschritte notwendig.

Chirurgische Behandlung bei aggressiver Parodontitis



Während früher schnell dazu übergegangen wurde, parodontale Zähne zu extrahieren, können die natürlichen Zähne heutzutage dank schonender operativer Methoden oftmals selbst bei einer fortgeschrittenen Parodontitis erhalten werden.

Mit einem minimalinvasiven Eingriff unter lokaler Betäubung lassen sich Entzündungsherde in sehr tiefen oder schwer zugänglichen Zahnfleischtaschen entfernen. Bei einem starken Abbau von Gewebe und Knochensubstanz können verschiedene Methoden die Regeneration des Zahnhalteapparats anregen.

Welche regenerativen Verfahren sowie Behandlungsoptionen bei einem Zahnfleischrückgang zur Anwendung kommen können, erläutern wir in unserem Beitrag „Parodontologie“.

Implantate im geschädigten Gebiss



Bevorzugt ein Patient statt eines operativen Eingriffs die Extraktion betroffener Zähne oder fällt ein Zahn bei einer stark fortgeschrittenen Parodontitis von selbst aus, ist Zahnersatz notwendig. Um einzelne Lücken im Gebiss zu schließen oder eine Brücke zu tragen, stellen Implantate eine ästhetische und langfristige Lösung dar.

Bevor diese gesetzt werden können, ist es jedoch notwendig, dass die Parodontitis vollständig abgeklungen ist. Nur auf einem gesunden Fundament kann das Zahnimplantat richtig einheilen. Steht infolge der aggressiven Parodontitis nur wenig Knochenmasse zur Verfügung, um das Implantat stabil im Kiefer zu verankern, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Knochensubstanz aufzubauen.

Folgen einer unbehandelten aggressiven Parodontitis



Eine unbehandelte Parodontitis kann nicht nur zu einem Abbau der Knochensubstanz und dadurch zu Zahnverlust führen, die Entzündung kann sich auch im Kiefer ausbreiten und weitere Zähne in Mitleidenschaft ziehen. Darüber hinaus kann die Erkrankung auch den allgemeinen Gesundheitszustand negativ beeinflussen.

Weiterführende Informationen haben wir im Beitrag Folgen einer Parodontitis für Sie zusammengestellt.

Frau leidet unter aggressiver Parodontitis
Frau leidet unter aggressiver Parodontitis

Wer zahlt bei einer aggressiven Parodontitis die Behandlung?



Bei einer diagnostizierten aggressiven Parodontitis werden die Behandlungskosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Seit 2021 haben Versicherte nicht nur einen Anspruch auf die akute Therapie bei einer Zahnfleischtaschentiefe von mindestens 4 mm, sondern auch auf halbjährliche Kontrolltermine zur Früherkennung sowie eine Zahnsteinentfernung pro Jahr. Darüber hinaus ist auch die Nachbehandlung in Form der Unterstützenden Parodontitistherapie Kassenleistung. Für die Kostenübernahme ist vorab ein Antrag mit einem Heil- und Kostenplan bei der zuständigen Krankenkasse zu stellen.

Die beschriebenen Leistungen werden auch Privatversicherten erstattet. In einigen PKV-Tarifen ist zudem die Erstattung der Professionellen Zahnreinigung enthalten.

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